Nach 14 Jahren Sanierung und Baukosten von rund 800 Millionen Euro öffnen die vier städtischen Bühnen am Kölner Offenbachplatz wieder ihre Türen. Doch unmittelbar zum Neustart sorgen technische Störungen, Fehlalarme und Probleme mit Teilen der Bühnentechnik für Herausforderungen. Verantwortliche führen einen Teil der Schwierigkeiten auch auf die jahrelangen Verzögerungen des Großprojekts zurück.
Technische Probleme begleiten die Wiedereröffnung
Bei einem Pressegespräch am Donnerstag schilderten die Verantwortlichen die Situation kurz vor dem ersten großen Premierenwochenende. Schauspielintendant Kay Voges verwies insbesondere auf wiederholte Fehlalarme der Brandmeldeanlage.
„Ich hoffe so sehr, dass wir feuerfrei und alarmfrei dieses Wochenende überstehen“, sagte Voges. Zugleich beschrieb er die Aufgabe nach dem Ende der Bauarbeiten: „Ja, wir haben zu kämpfen. Wir kämpfen jetzt, wo die Bauarbeiter den Platz verlassen haben, ein spielfähiges Theater daraus zu machen.“
Voges betonte außerdem: „Wir müssen aufmachen, damit wir dieses Haus unter Kontrolle bekommen, weil das kann man nur unter Kontrolle bekommen, wenn die Kunst dort geschieht.“ Die Situation bezeichnete er auch als „Abenteuer“.
Der externe Sanierungs-Projektleiter Jürgen Marc Volm spricht bei den Schwierigkeiten mit der Bühnentechnik von „Kinderkrankheiten“. Kulturdezernent Stefan Charles sieht dagegen Risiken, mit denen die Verantwortlichen zunächst weiter umgehen müssten.
„Und diese Risiken, mit denen müssen wir umgehen, und diese Risiken werden uns auch noch eine Weile begleiten“, sagte Charles. Wie lange die Probleme bestehen bleiben könnten, blieb offen.
Alle vier Bühnen von Schwierigkeiten betroffen
Opernintendant Hein Mulders hatte zuvor gegenüber dem Deutschlandfunk auf konkrete technische Probleme hingewiesen: „Bühnenpodien, Technik, Drehscheibe, Obermaschinerie: Da hakt es im Moment, das muss ich auch ehrlich sagen.“
Inzwischen ist klar, dass nicht nur das Opernhaus betroffen ist. Auch im Schauspielhaus sowie im Kleinen Haus und in der Kinderoper treten Schwierigkeiten beim Zusammenspiel verschiedener technischer Systeme auf.
Nach Angaben der Verantwortlichen wurden viele Probleme erst während der intensiven Stresstests der vergangenen zwei Monate sichtbar. Diese Tests seien erst nach der Rückkehr an den Offenbachplatz in dieser Form möglich gewesen.
Ausfall des Inspizientenpults bei Generalproben
Im Schauspielhaus fiel während der Generalproben am Mittwoch und Donnerstag beispielsweise das sogenannte Inspizientenpult aus. Rund 20 Minuten lang funktionierte das System laut Voges nicht. Über das Pult werden wesentliche Abläufe einer Aufführung koordiniert.
Die Beschäftigten hätten die Situation mithilfe von Funkgeräten überbrückt, sodass das Publikum davon im regulären Betrieb möglichst nichts bemerken würde.
Darüber hinaus gibt es laut dem ursprünglichen Bericht Probleme mit der Durchruf- und Mithöranlage. Auch Türen, die sich nicht mit Transpondern öffnen ließen, sowie Schwierigkeiten mit der Untermaschinerie und den Hubpodien werden genannt.
Inszenierungen müssen technisch angepasst werden
Für die Premiere des „Rosenkavaliers“ am Sonntag wurden technische Abläufe verändert. Mulders betonte, die Inszenierung sei weiterhin „intakt“.
„Alles, was von unten nach oben ging, wird jetzt von links und rechts und von hinten kommen“, erklärte der Opernintendant.
Auch die Fehlalarme der Brandmeldeanlage bleiben ein Thema. Mitarbeitende wurden darauf vorbereitet, dass möglicherweise während einer Vorstellung versehentlich die Sicherheitsbeleuchtung im Zuschauerraum oder auf der Bühne eingeschaltet werden könnte.
In einem internen Schreiben heißt es, die notwendigen Arbeiten zur Vermeidung solcher Fehlalarme „werden Zeit in Anspruch nehmen“. Zugleich wird betont, dass dies „KEINE unmittelbare Gefahr für die Mitarbeitenden oder die Zuschauer“ bedeute und eine Vorstellung grundsätzlich fortgesetzt werden könne.
Jahrelange Verzögerungen könnten Technik belastet haben
Besonders relevant ist der lange Zeitraum zwischen Installation und tatsächlicher intensiver Nutzung. Bereits 2017 galt die Bühnentechnik nach damaligen Angaben als bis zu 95 Prozent fertiggestellt, 2021 waren es 98 Prozent.
Auf die Frage, ob die jahrelange Verzögerung des Bauprojekts der Technik geschadet habe, sagte Volm: „Vermutlich auf die Länge betrachtet schon. Das hätte wahrscheinlich 2017 keiner gedacht, dass es dann 2026 wird.“
Jens Schröder von der Theater Technische Systeme GmbH (TTS), die Teile der Obermaschinerie geliefert hat, verwies ebenfalls auf das Alter technischer Komponenten: „Sie haben ja zu Hause auch keinen Laptop von vor zehn Jahren.“
Ein weiterer Faktor könnte die Aufteilung der Bühnentechnik auf mehrere Anbieter sein. Schröder bezeichnete dieses Vorgehen als „unüblich“. Voges erklärte dazu: „Gut wäre es gewesen, hätte man geschafft, eine Firma zu haben.“
Gewährleistung für großen Teil der Technik abgelaufen
Für die Stadt Köln könnten die technischen Schwierigkeiten auch finanzielle Folgen haben. Weil zahlreiche Komponenten bereits 2017 abgenommen wurden, ist die Gewährleistung inzwischen bei einem erheblichen Teil der Anlagen abgelaufen.
Nach Angaben von Volm betrifft dies rund 80 Prozent der Technik. Bei den übrigen 20 Prozent soll geprüft werden, ob Kosten möglicherweise noch zurückgefordert werden können. Die Anlagen seien über die Jahre für jährlich rund 250.000 Euro gewartet worden.
Die Wiedereröffnung am Offenbachplatz markiert damit zwar das Ende einer außergewöhnlich langen Sanierungsphase, technisch ist die Arbeit jedoch noch nicht abgeschlossen. Erst der laufende Theaterbetrieb dürfte zeigen, wie zuverlässig die komplexen Systeme funktionieren und welche weiteren Nachbesserungen erforderlich werden.
