Microsoft richtet seine Strategie für KI-fähige Windows-Rechner neu aus. Der Konzern verzichtet bei kommenden Surface-Geräten auf die Bezeichnung „Copilot+ PC“ und verwendet stattdessen den breiter gefassten Begriff „AI PC“. An den technischen Voraussetzungen für lokale KI-Anwendungen ändert sich dadurch zunächst wenig: Leistungsfähige NPUs und mindestens 16 GB Arbeitsspeicher bleiben zentrale Bestandteile der Plattform.
Copilot+-Bezeichnung verschwindet, technische Anforderungen bleiben
Der bisherige Markenname „Copilot+ PC“ soll bei neuen Surface-Modellen nicht mehr verwendet werden. Brett Ostrum, Corporate Vice President für Surface bei Microsoft, bestätigte, dass kommende Geräte dennoch weiterhin die technischen Anforderungen erfüllen, die bislang mit der Copilot+-Kategorie verbunden waren.
Im Mittelpunkt der neuen Strategie steht demnach verstärkt „AI on the edge“. Gemeint ist die Verarbeitung von KI-Aufgaben direkt auf dem Gerät. Gleichzeitig setzt Microsoft weiterhin auf hybride Modelle, bei denen lokale Rechenleistung mit Cloud-Diensten kombiniert wird.
Qualcomm-Manager Kedar Kondap verwies ebenfalls auf die ursprüngliche Zielsetzung der Copilot+-Initiative. Diese habe darin bestanden, neue KI-Funktionen mithilfe leistungsfähiger Neural Processing Units (NPUs) und einer Rechenleistung von etwa 45 TOPS zu ermöglichen. Solche Funktionen sollen auch nach dem Markenwechsel verfügbar bleiben.
Mindestens 16 GB RAM für KI-Funktionen
Microsoft hat bislang keinen offiziellen Grund dafür genannt, warum die Bezeichnung Copilot+ PC aufgegeben wird. Die dahinterstehende Technologie bleibt jedoch Bestandteil der Windows-Plattform. Entsprechende Softwarekomponenten und Funktionen können weiterhin über Windows Update aktualisiert werden.
Auch bei den Hardware-Anforderungen bleibt die grundsätzliche Ausrichtung bestehen. Für die bislang unter Copilot+ zusammengefassten Funktionen werden weiterhin mindestens 16 GB Arbeitsspeicher vorausgesetzt.
Der Abschied vom Namen zeichnet sich bereits seit einiger Zeit ab. Verschiedene PC-Hersteller hatten den Copilot+-Schriftzug in ihrer Produktkommunikation zunehmend in den Hintergrund gerückt, während die technischen Voraussetzungen für KI-Anwendungen erhalten blieben.
Auch Nvidia verwendet bei seinen RTX-Spark-Laptops mit Windows 11 nicht durchgehend die Copilot+-Bezeichnung, obwohl entsprechende Geräte die notwendigen Spezifikationen erfüllen können.
Recall-Probleme belasteten den Start von Copilot+ PC
Microsoft und Qualcomm hatten Copilot+ PC im Jahr 2024 als neue Geräteklasse für Windows-Rechner mit besonders leistungsfähiger KI-Hardware eingeführt. Eine zentrale Rolle spielte dabei die NPU, die KI-Berechnungen energieeffizient direkt auf dem Computer ausführen soll.
Der Start verlief allerdings nicht ohne Schwierigkeiten. Insbesondere Sicherheits- und Datenschutzbedenken rund um die Windows-Funktion Recall führten zu Verzögerungen. Recall war ursprünglich als eine der prominentesten Funktionen der neuen Geräteklasse vorgesehen.
Mit dem Wechsel zu „AI PC“ löst Microsoft die technische Entwicklung nun stärker von einem einzelnen Produktnamen.
Neue Surface-Geräte zeigen Microsofts AI-PC-Strategie
Der Strategiewechsel wird bei der neuen Surface-Generation bereits sichtbar. Das Surface Pro 12 Zoll und der Surface Laptop 13 Zoll sollen mit Qualcomms Snapdragon X2 Plus ausgestattet sein und ab dem 13. Oktober 2026 in den Verkauf gehen.
Hexagon-NPU erreicht 80 TOPS
Die neuen Geräte verfügen über eine Qualcomm-Hexagon-NPU mit einer Leistung von 80 TOPS. Nach Angaben von Microsoft soll dies eine bis zu 95 Prozent höhere Geschwindigkeit bei lokaler KI-Inferenz gegenüber der vorherigen Generation ermöglichen.
Gleichzeitig hebt Microsoft die Basisausstattung beim Arbeitsspeicher an. Neue Modelle beginnen bei 16 GB RAM; eine Variante mit lediglich 8 GB ist nicht mehr vorgesehen.
Damit gewinnt die konkrete Hardware-Ausstattung für Verbraucher weiter an Bedeutung. Statt allein auf eine Produktbezeichnung wie Copilot+ zu achten, dürften bei der Auswahl künftig Faktoren wie NPU-Leistung, Arbeitsspeicher, Energieeffizienz und die Unterstützung lokaler KI-Funktionen wichtiger werden.
Windows- und Surface-Event für den 7. Oktober geplant
Weitere Details zur neuen Strategie könnten bereits am 7. Oktober 2026 folgen. Für diesen Termin bereitet Microsoft ein größeres Windows- und Surface-Event vor. Im Mittelpunkt soll die Frage stehen, welche Rolle lokale künstliche Intelligenz in der nächsten Entwicklungsphase des PCs spielen wird.
Im Vorfeld wird unter anderem über neue Hardware wie einen Surface Laptop Ultra sowie Geräte auf Basis von Nvidias RTX-Spark-Plattform spekuliert. Auch eine speziell für Entwickler konzipierte Surface-RTX-Spark-Lösung wird als mögliche Neuheit genannt. Offizielle Bestätigungen für diese erwarteten Produkte stehen jedoch noch aus.
Technische Daten werden für Käufer wichtiger
Der Abschied von Copilot+ PC bedeutet somit nicht das Ende von Microsofts KI-PC-Strategie. Vielmehr verschiebt sich der Schwerpunkt von einer festen Markenbezeichnung hin zum allgemeineren Konzept des AI PC.
Für Verbraucher in Deutschland und anderen europäischen Märkten dürfte damit ein genauer Blick auf die technischen Daten wichtiger werden. NPU-Leistung, RAM-Ausstattung, Akkulaufzeit und das Zusammenspiel zwischen lokaler KI-Verarbeitung und Cloud-Diensten können künftig aussagekräftiger sein als ein einzelnes Label auf dem Gerät.
Welche Terminologie Microsoft langfristig etabliert und welche neuen Geräte die AI-PC-Strategie konkret umsetzen, dürfte das angekündigte Windows- und Surface-Event am 7. Oktober deutlicher zeigen.
