Seit sieben Jahrzehnten begleitet die „Bravo“ junge Menschen in Deutschland. Das Magazin prägte Popkultur, Jugendtrends und die Aufklärung ganzer Generationen. Von seiner früheren Reichweite ist heute jedoch nur noch wenig geblieben.

Heimliche Lektüre mit Millionenauflage

„Früher wurde die Bravo komplett heimlich gelesen. Viele erzählen uns: Ich durfte das auf keinen Fall, aber wir haben sie trotzdem gelesen, weil es einfach spannend war“, sagt Claudia Lück aus der „Bravo“-Redaktion über die Achtziger- und Neunzigerjahre.

Viele Eltern betrachteten das Jugendmagazin damals mit Skepsis. Dennoch erreichte die Zeitschrift in ihren erfolgreichsten Zeiten eine Auflage von mehr als 1,5 Millionen Exemplaren.

Da jede Ausgabe durchschnittlich durch vier weitere Hände ging, war die tatsächliche Reichweite erheblich größer. Die „Bravo“ wurde auf Schulhöfen weitergereicht, zu Hause gelesen und nicht selten vor den Eltern versteckt.

Das Magazin informierte nicht nur über Musik und Stars, sondern bestimmte auch mit, welche Künstlerinnen und Künstler bei Jugendlichen als angesagt galten. Jasmin Wagner, bekannt als „Blümchen“, beschreibt die damalige Bedeutung in einer zum Jubiläum veröffentlichten ARD-Dokumentation: „Die ,Bravo‘ war unsere Pop-Bibel. Da stand alles drin, was wir wissen wollten.“

Von Film und Fernsehen zur Popkultur

Gegründet wurde die „Bravo“ 1956 unter dem Titel „Die Zeitschrift für Film und Fernsehen“. An diesem Mittwoch feiert das zur Bauer Media Group gehörende Jugendmagazin seinen 70. Geburtstag.

Zu den prominentesten Stars auf dem Titelbild gehörten die Beatles. Seit 1964 erschienen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr regelmäßig auf dem Cover – gemeinsam auf dem Sofa, beim Champagnertrinken oder einzeln im Porträt, teilweise mit ihren Partnerinnen.

Mehr als 20 Mal war die britische Band gemeinsam auf dem Titel zu sehen. Die Begeisterung für die „Fab Four“ erreichte damals ein bislang kaum bekanntes Ausmaß. Vor allem viele junge Frauen projizierten ihre Wünsche und Fantasien auf die Musiker.

Die „Bravo“ reagierte schnell auf diese Entwicklung und berichtete ausführlich über die damals erfolgreichste Band der Welt. Mehrteilige Serien wie die „Beatles-Story“ von 1964 erstreckten sich über mehrere Ausgaben und stärkten den Sammelcharakter des Magazins.

Starschnitte und „Bravo Hits“

Auch die bekannten Starschnitte wurden zu einem Markenzeichen. Über mehrere Hefte verteilt konnten Leserinnen und Leser einzelne Postersegmente sammeln und daraus lebensgroße Bilder ihrer Idole zusammensetzen.

Anfang der Neunzigerjahre kamen die ersten „Bravo Hits“ hinzu. Die Sammlungen aktueller Pop-Erfolge erschienen zunächst auf Vinyl und später auf CD. Die Reihe übertrug die Markenwirkung des Magazins erfolgreich auf den Musikmarkt und wurde für viele Jugendliche zu einem festen Bestandteil ihrer Musiksammlung.

Dr. Sommer und die Aufklärung junger Menschen

Besonders prägend war die Aufklärungsarbeit der „Bravo“. Das Magazin beantwortete Fragen zu Körper, Pubertät, Liebe und Sexualität in einer offenen und direkten Sprache. Themen, über die in Familien oder Schulen häufig kaum gesprochen wurde, erhielten dadurch einen festen Platz in der Öffentlichkeit.

Eine zentrale Rolle spielte das Dr.-Sommer-Team. Seit 1995 ergänzte der „Love- & Sex-Report“ das Angebot. Die Rubrik wurde später zunächst in „Bodycheck“ und anschließend in „That’s me“ umbenannt.

Über mehrere Jahre zeigte das Format junge nackte Menschen. Die als „Nackte“ bekannt gewordenen Aufnahmen waren sachlich ausgeleuchtet und bewusst wenig erotisiert. Ziel war es, Jugendlichen unterschiedliche Körperbilder zu zeigen und Unsicherheiten abzubauen.

„Die Idee war natürlich super“, sagt Lück rückblickend. „Jeder Jugendliche fragt sich: Bin ich normal, bin ich schön oder nicht?“

Die Teilnehmenden ließen sich freiwillig allein oder als Paar fotografieren. Aus rechtlichen Gründen mussten sie die Aufnahmen mithilfe eines Fernauslösers selbst anfertigen. Später wurde das Format eingestellt. Die Redaktion wollte Nacktheit für ein junges Publikum nicht weiter in den Mittelpunkt stellen; zudem dürfen Minderjährige unter 18 Jahren nicht mehr nackt fotografiert werden.

Heute wird die damalige Darstellung Jugendlicher häufig kritisch bewertet. Sie steht zugleich für eine Epoche, in der die „Bravo“ gesellschaftliche Tabus aufgriff und Fragen beantwortete, für die junge Menschen andernorts kaum Ansprechpartner fanden.

Eine traditionsreiche Marke mit geringerer Reichweite

Die „Bravo“ war über Jahrzehnte weit mehr als eine Jugendzeitschrift. Sie vermittelte Popkultur, setzte Trends und bot Orientierung bei persönlichen Fragen. Im digitalen Medienzeitalter hat das Magazin seine frühere Strahlkraft und Millionenauflage verloren. Sein Einfluss auf mehrere Generationen und die deutsche Jugendkultur bleibt dennoch ein bedeutender Teil der Mediengeschichte.

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Irmgard Keun ist Autorin bei paderborner-blatt.de und berichtet über aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft, Technologie, Sport, Unterhaltung und Lifestyle. Sie legt Wert auf klare Berichterstattung, relevante Informationen und eine verständliche Einordnung aktueller Ereignisse für die Leserinnen und Leser.

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