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Wohlstand in der EU: der Irrtum einer größeren Gleichstellung in Europa

E. E.Europas Wiederauffüllungsplan für die Wirtschaft in der Koronakrise muss noch einige parlamentarische Hürden überwinden. Italien bereitet sich jedoch bereits auf die Milliarden aus Brüssel vor. Am Sonntag genehmigte das Kabinett das vorläufige Budget für das nächste Jahr, das die von der Koronakrise heimgesuchte Wirtschaft mit viel Geld und Steuervorteilen unterstützen soll. Zahlungen aus dem Europäischen Wiederaufbaufonds in Höhe von 750 Mrd. EUR sind bereits gut geplant.

Nach Berechnungen der Europäischen Kommission wird Italien der größte Empfänger der Hilfsgelder aus Brüssel sein. Die Regierung in Rom könnte während der Laufzeit der Programme Darlehen und Transfers in Höhe von rund 209 Mrd. EUR beantragen. Spanien, Portugal und Griechenland, deren vom Tourismus abhängige Volkswirtschaften in diesem Jahr eingebrochen sind, werden voraussichtlich auch im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftsleistung hohe Summen erhalten.

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Die Europäische Kommission möchte, dass das Geld im nächsten Jahr aus dem Wiederaufbaufonds fließt. Dies kann in geringem Umfang auch der Fall sein. Es ist jedoch wahrscheinlicher, dass der Großteil der Beträge die von Corona besonders betroffenen Volkswirtschaften erst 2022 erreichen wird.

Ökonomen glauben auch nicht, dass das Geld die Volkswirtschaften der betroffenen Länder ankurbeln wird, aber sie könnten Investitionen und Reformen finanzieren, die zu einem langfristigeren Wachstum in den betroffenen Volkswirtschaften führen. Das versprechen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron, die den Wiederaufbaufonds initiiert haben.

Osteuropa nähert sich dem Norden

Eine aktuelle Studie des Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, wie dringend es insbesondere in den Ländern Südeuropas ist, die Volkswirtschaften zukunftssicherer und für ein langfristiges Wachstum gerüstet zu machen. Die bisher unveröffentlichte Analyse steht WELT zur Verfügung und zeigt, dass das zentrale wirtschaftliche Versprechen der europäischen Integration für Italien, Spanien und Griechenland noch nicht erfüllt wurde.

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Der europäische Binnenmarkt und der Euro sollten tatsächlich dafür sorgen, dass die europäischen Nationalstaaten wirtschaftlich näher zusammenrücken. Aufgabe der staatlichen Souveränität und im Gegenzug wirtschaftliche Konvergenz und größerer Wohlstand – das ist die wirtschaftliche Seite des EU-Pakts; sogar in der Präambel des EU-Vertrags dokumentiert. In den letzten Jahren sah die Realität für Südeuropäer jedoch anders aus.

Quelle: WELT-Infografik

Die Ökonomen haben die Entwicklung der Wirtschaftsleistung in den EU-Ländern im letzten Jahrzehnt untersucht. Den Berechnungen zufolge scheinen die jüngeren EU-Mitglieder in Mittel- und Osteuropa im Vergleich zum Norden und Nordwesten des Kontinents wirtschaftlich aufzuholen. Die nominale Wirtschaftsleistung einschließlich Inflation stieg in den osteuropäischen Mitgliedstaaten in den zehn Jahren von 2009 bis 2018 um 49,6 Prozent.

Die nördlichen und nordwestlichen Volkswirtschaften des Kontinents wuchsen im gleichen Zeitraum um 37,2 Prozent – der Osten hat wirtschaftlich aufgeholt, obwohl die Kluft in einigen Fällen immer noch erheblich ist.

Die Schuldenkrise hat die Regionen im Süden zurückgefahren

Im gleichen Zeitraum hat sich die wirtschaftliche Kluft zwischen Nord- und Südeuropa jedoch nicht verringert, sondern vergrößert. Die südeuropäischen Länder wuchsen im beobachteten Zeitraum nur um 14,6 Prozent und trennten den Norden weiter vom Süden.

Außerdem wird in dieser Berechnung Frankreich Südeuropa zugeordnet. Ohne das französische Wirtschaftswachstum der letzten Jahre wären die südlichen Länder nur um 9,9 Prozent gewachsen. Kein Wunder, dass die EU-Politik zunehmend von Verteilungsproblemen zwischen Nord und Süd dominiert wird.

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Das Darlehen ist in Verzug

Die Schuldenkrise in der Eurozone und die tiefen Rezessionen in den betroffenen Ländern waren in erster Linie für den wirtschaftlichen Abschwung in Südeuropa in den letzten Jahren verantwortlich. Die Krise hat viele Regionen wirtschaftlich reduziert – einschließlich jener, die zuvor infolge der Einführung des Euro und des daraus resultierenden starken Rückgangs der Kreditkosten wirtschaftlich gewachsen waren.

Tatsächlich waren die Regionen mit dem schlechtesten Wachstum in den letzten Jahren ausschließlich griechische Regionen, in denen die Wirtschaftsleistung in einigen Fällen um ein Fünftel geschrumpft ist. Eine Berechnung des IW, in der der Studienautor Björn Kauder das Wirtschaftszentrum Europas berechnete, zeigt, wie sich die nachhaltige Wirtschaftskraft auf dem Kontinent verändert hat.

Der Schwerpunkt könnte in 25 Jahren auf Mannheim liegen

Es ist der Ort, von dem aus die kumulierte Wirtschaftsleistung in alle Richtungen ungefähr gleich ist. Dieses Wirtschaftszentrum Europas verlagert sich seit Jahren kontinuierlich nach Norden. Im Jahr 2009, dem Ausbruch der Schuldenkrise in der Eurozone, lag sie noch südöstlich von Freiburg im Breisgau.

Seitdem hat das wirtschaftliche Gewicht des Südens abgenommen. Das Wirtschaftszentrum Europas zog rund 50 Kilometer nach Norden und lag 2018 südöstlich von Offenburg in Baden-Württemberg. “Wenn Sie diese Entwicklung fortsetzen, könnte das Wirtschaftszentrum der EU in 25 Jahren in der Nähe von Mannheim liegen”, sagt der Studienautor Kauder.

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Minus 52,3 Milliarden Euro

Trotz Coronas Hilfspaket dürfte die Pandemie diese Entwicklung beschleunigen. Die südeuropäischen Volkswirtschaften, die stärker vom Tourismus abhängig sind als der Norden des Kontinents, haben während der Krise viel stärker unter den restriktiven Maßnahmen gelitten als die nordeuropäischen oder osteuropäischen Volkswirtschaften.

Die Europäische Kommission geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in von der Pandemie besonders betroffenen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien in diesem Jahr zweistellig sinken wird. Die Behörde prognostiziert für Frankreich ein Minus von 10,6 Prozent, für Spanien 10,9 Prozent und für Italien sogar 11,2 Prozent.

In Deutschland erwartet die Kommission in ihren Wirtschaftsprognosen jedoch einen immer noch enormen, aber relativ geringen Rückgang von minus 6,3 Prozent. Die zweite Welle und zunehmend verzweifelte Gegenmaßnahmen in ganz Europa könnten jedoch bald zu einem zweiten wirtschaftlichen Absturz führen. Dann wäre die Prognose für den Sommer bald veraltet.

Sara Falk

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