Wirtschaft

Börse: Start-ups reduzieren Frauenanteil in Börsenräten

Deutschland Startups präsentieren sich gerne als moderne, zeitgemäße Alternative zu früheren Unternehmergenerationen. Das mag auf ihre Geschäftsmodelle zutreffen, aber auf zentraler Ebene wiederholen sie das Muster großer Maklerfirmen – und ihre Vorstandsmitglieder sind fast ausschließlich männlich.

Das geht aus einer Auswertung der Deutsch-Schwedischen Allbright-Stiftung hervor, die sich für mehr Frauen und Diversität in Führungspositionen einsetzt. Die Recherche konzentrierte sich auf junge börsennotierte Unternehmen, die kürzlich in den Dax, MDax oder SDax aufgenommen wurden, zu denen auch mehrere Start-ups gehören. Dazu gehören beispielsweise die Essenslieferdienste Lieferheld und HelloFresh, die Möbelhäuser Home24 und Westwing oder die Gebrauchtwagenplattform Auto1.

Quote zwischen fünf und zehn Prozent

Diese Neuzugänge an der Börse sorgen für einen zuverlässigen Rückgang des Frauenanteils in den Verwaltungsräten der 160 börsennotierten Unternehmen pro Jahr. Im April 2021 betrug der Anteil der in den vergangenen fünf Jahren börsennotierten Unternehmen nur noch 10,2 Prozent. Bei den Gründern der letzten 15 Jahre waren das gerade einmal 5,4 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil aller börsennotierten Unternehmen beträgt 12,6 Prozent.

Nur neun der 30 jungen DAX-, MDax- und SDax-Unternehmen haben sogar eine Frau im Vorstand. Der Pharmakonzern Dermapharm hat als einziger zwei Frauen.

Etwas besser sind die Zahlen in den Gremien, die die Vorstände kontrollieren müssen: den Aufsichtsräten. Der Frauenanteil beträgt dort durchschnittlich 24,3 Prozent. Dies ist jedoch immer noch weniger als der Durchschnitt der insgesamt 160 gelisteten Unternehmen. Vier Unternehmen, darunter Batterie- und Akkuhersteller Varta, das Kunststück zu machen, einer Frau überhaupt keine höhere Position zu geben. In Vorstand und Aufsichtsrat gibt es nur Männer.

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Mehr »Christen« und »Stefans« als Frauen

Dass im Top-Management von Maklerfirmen traditionell ein sehr homogener Personentyp erfolgreich ist, ist keine neue Erkenntnis. Das durchschnittliche Vorstandsmitglied eines Frankfurter börsennotierten Unternehmens ist noch 54 Jahre alt, Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieur, Westdeutscher und heißt Thomas.

Doch die Homogenität bei jungen Start-ups und Börsenneulingen ist offenbar noch größer. Vor allem in Unternehmen, die nicht älter als 15 Jahre sind, sind die Vorstände noch häufiger männlich und westdeutsch und sogar überdurchschnittlich oft Ökonomen. Nur die Namen haben sich geändert: Es gibt mehr Christen und Stefans in Startup-Vorständen als Frauen.

Lili Falk

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