Sodbrennen, Heiserkeit oder ein ständiges Räuspern gehören für viele Menschen zu den alltäglichen Beschwerden. Häufig steckt ein Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre oder den Rachen dahinter. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass nicht nur Medikamente helfen können: Eine konsequente Anpassung von Ernährung und Lebensstil konnte Refluxbeschwerden bei vielen Betroffenen innerhalb weniger Monate deutlich reduzieren.
Lebensstilprogramm erzielt bessere Ergebnisse als einige Medikamente
Viele Menschen mit Reflux greifen zu Säureblockern, Antazida oder anderen frei verkäuflichen Präparaten, um die Beschwerden zu lindern. Eine Untersuchung aus Belgien und Frankreich deutet jedoch darauf hin, dass eine umfassende Ernährungs- und Lebensstiländerung eine vergleichbare oder sogar bessere Wirkung erzielen kann.
Die Forscher begleiteten insgesamt 145 Patienten über einen Zeitraum von drei Monaten. Die Teilnehmer wurden in verschiedene Behandlungsgruppen eingeteilt und erhielten entweder Medikamente oder ein strukturiertes Programm zur Veränderung von Ernährung und Alltag.
Nach Ablauf der drei Monate verbesserten sich die Beschwerden in allen Gruppen. Die höchsten Erfolgsraten wurden jedoch bei den Teilnehmern festgestellt, die ihre Ernährung und ihren Lebensstil umstellten. Insgesamt 81 Prozent dieser Gruppe zeigten eine deutliche Verbesserung.
Zum Vergleich: Bei der Behandlung mit Antazida lag die Erfolgsrate bei 74,1 Prozent. Alginate erreichten 57,9 Prozent, während Säureblocker, sogenannte Protonenpumpenhemmer, bei 56,3 Prozent der Teilnehmer zu einer Verbesserung führten.
Welche Ernährung bei Reflux empfohlen wurde
Das in der Studie eingesetzte Programm setzte auf eine magenfreundliche Ernährung kombiniert mit Veränderungen im Alltag. Dabei standen vor allem leicht verdauliche und nährstoffreiche Lebensmittel im Mittelpunkt.
Empfohlene Lebensmittel und Maßnahmen
Die Teilnehmer sollten unter anderem folgende Empfehlungen beachten:
- fettarme Eiweißquellen wie Fisch, mageres Fleisch und fettarme Milchprodukte
- Vollkornprodukte sowie Obst und gekochtes Gemüse
- Maßnahmen zur Stressreduzierung und einen bewussteren Lebensstil
Gleichzeitig sollten bestimmte Lebensmittel möglichst reduziert oder vermieden werden. Dazu gehörten:
- fettreiche Speisen und stark zuckerhaltige Produkte
- Alkohol, Kaffee, Tee und Fruchtsäfte
- Tomaten, Zwiebeln, Chili, scharfe Gewürze und rohes Gemüse
Die Studie zeigt damit, dass nicht nur einzelne Lebensmittel, sondern das gesamte Ernährungs- und Verhaltensmuster einen Einfluss auf Refluxsymptome haben kann.
Medikamente gegen Reflux im Vergleich
Bei der Untersuchung wurden verschiedene häufig eingesetzte Behandlungsmethoden miteinander verglichen.
Protonenpumpenhemmer
Säureblocker wie Protonenpumpenhemmer reduzieren die Produktion von Magensäure. Sie werden häufig bei chronischem Reflux eingesetzt und benötigen meist eine regelmäßige Einnahme, um ihre Wirkung zu entfalten.
Antazida
Antazida wirken schneller, indem sie bereits vorhandene Magensäure neutralisieren. Sie werden häufig bei akuten Beschwerden eingesetzt.
Alginate
Alginate bilden eine schützende Gel-Schicht auf dem Mageninhalt. Dadurch soll verhindert werden, dass Magensäure zurück in die Speiseröhre gelangt.
Reflux zeigt sich nicht immer durch Sodbrennen
Nicht jede Form von Reflux verursacht das typische Brennen hinter dem Brustbein. Beim sogenannten laryngopharyngealen Reflux (LPR) gelangt Magensäure bis in den Bereich von Rachen und Kehlkopf.
Betroffene leiden dann häufig unter Beschwerden wie:
- Heiserkeit
- ständigem Räuspern
- chronischem Husten
- einem Fremdkörpergefühl im Hals
- Halsschmerzen
Da diese Symptome oft nicht direkt mit Magenproblemen verbunden werden, bleibt die Ursache teilweise lange unerkannt.
Was die Ergebnisse für Betroffene bedeuten
Die Untersuchung liefert Hinweise darauf, dass eine konsequente Ernährungsumstellung und Veränderungen im Alltag eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Reflux spielen können. Menschen mit wiederkehrendem Sodbrennen, anhaltender Heiserkeit oder häufigem Räuspern sollten ihre Beschwerden jedoch ärztlich abklären lassen.
Eine angepasste Ernährung kann je nach Ursache eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Behandlungsmöglichkeiten sein. Die Autoren der Studie weisen allerdings darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Sie kann Zusammenhänge zeigen, aber keinen endgültigen Beweis für die Wirksamkeit der Ernährungsumstellung liefern.
Weitere randomisierte klinische Studien sollen künftig klären, wie groß der tatsächliche Effekt langfristig ist. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery“ veröffentlicht.

