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Paderborner-Blatt / Regionales / Schlosswerkstätten eröffnen neuen Berufsbildungsbereich für psychisch Erkrankte

Schlosswerkstätten eröffnen neuen Berufsbildungsbereich für psychisch Erkrankte

SchlosswerkstaettenPaderborn - Unter dem Motto „(Un-)behindert arbeiten“ haben die Schlosswerkstätten mit einer Einweihungsfeier, Fachvorträgen und einem Tag der offenen Tür eine neue Betriebsstätte für die berufliche Bildung von Menschen mit psychischen Behinderungen in Paderborn eröffnet.

Gleichzeitig feierten sie das 25- jährige Bestehen des Bereichs für Menschen mit psychischen Behinderungen in den Schlosswerkstätten.

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„Unternehmen erkennen zunehmend, dass auch Menschen mit Behinderung produktiv arbeiten können“, sagte der Geschäftsführer Werkstätten der Caritas Wohn- und Werkstätten im Erzbistum Paderborn (CWW Paderborn), Klaus- Heiner Kaufmann, in seiner Begrüßung.

 

„Viele Beschäftigte der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) erfahren eine realistische Perspektive auch außerhalb der Werkstatt.“ Mehr als 100 der knapp 1500 Beschäftigten der Caritas Werkstätten arbeiteten inzwischen an ausgelagerten Arbeitsplätzen, sagte Kaufmann. Der Bereich solle kontinuierlich weiter ausgebaut werden.

An der neu eröffneten Betriebsstätte in der Karl-Schurz-Straße, der sechsten Betriebsstätte der Schlosswerkstätten, sind 60 Plätze zur beruflichen Bildung von psychisch Erkrankten entstanden. „Die Teilnehmer kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten und allen Altersgruppen“, stellte Jürgen Mathieu, Leiter der Schlosswerkstätten, fest. „Es kann jeden treffen.“ Doch: „Die Werkstatt für behinderte Menschen ist keine Endstation“, betonte Mathieu. „Sie ermöglicht die Teilhabe am Arbeitsleben und damit ein eigenständiges Leben.“ Den behindertengerechten Umbau des Gebäudes unterstützte das Integrationsamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Paderborns Bürgermeister Heinz Paus sagte in einem Grußwort, die Schlosswerkstätten seien eine wichtige Einrichtung der Stadt Paderborn. Abstrakte Begriffe wie Menschenwürde und Gleichberechtigung würden dort im Alltag umgesetzt. Wie überall im Bundesgebiet verzeichne auch die Stadt Paderborn eine Zunahme psychischer Erkrankungen. Dazu trage die steigende Belastung am Arbeitsplatz bei. Die Wiedereingliederung psychisch Kranker in den Arbeitsprozess sei ein „sehr wichtiges Thema, das die Kommunen und die Unternehmen zunehmend beschäftigt“.

Den Schlüssel zur neuen Betriebsstätte überreichte Architekt Martin Brockmeyer an Ralf Varchmin, Leiter des Berufsbildungsbereiches der Schlosswerkstätten. Den kirchlichen Segen gab Monsignore Roman Kopetz, Behindertenseelsorger des Erzbistums Paderborn.

Aus Anlass der Feierlichkeiten hatten die Caritas Werkstätten namhafte Experten zu Vorträgen eingeladen. Marlies Wiesemann, Leiterin des Sachbereiches „westfälisch-lippische Werkstätten“ in der Behindertenhilfe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) berichtete, dass zurzeit 39000 Menschen in 61 Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) im Bereich Westfalen-Lippe beschäftigt seien. Seit 2004 steige die Zahl der in Werkstätten Beschäftigten um 1000 jährlich. Das belege die gute Qualität der Werkstätten, sagte Wiesemann. 6500 Plätze sind für Menschen mit psychischen Behinderungen reserviert. Das Angebot der WfbM´s an Außenarbeitsplätzen müsse aber erweitert werden, forderte Wiesemann. „Die Schlosswerkstätten sind da gut aufgestellt“, sagte sie.

Prof. Dr. Albert Lenz, Psychologe der Katholischen Fachhochschule in Paderborn, sagte, die Fähigkeit der sozialpsychiatrischen Arbeit, Selbstwert und Selbstbefähigung bei Menschen mit psychischer Behinderung zu fördern, sei ganz entscheidend für den Erfolg der Maßnahmen. Selbstbestimmung und Teilhabe am Leben fördere die Gesundheit. Wichtig sei, die Balance zu finden zwischen der Förderung der Selbstbestimmung und der Fürsorge. Diese müsse bei jedem Patienten neu bestimmt werden. Ziel sei eine Gesundung des Patienten im Sinne einer „Perspektive für ein erfülltes, zufriedenes Leben“.

Dagmar Lorré-Krupp von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit NRW in Düsseldorf, erläuterte das neu erwachte Interesse der Bundesagentur an Werkstätten für behinderte Menschen. Vor allem die personenzentrierte Maßnahmengestaltung, die aus der UN-Behindertenrechtskonvention erwachse, habe dazu geführt, dass die Bundesagentur Maßnahmen beruflicher Bildung für Menschen mit Behinderung unterstütze.

Dr. Nils Pörksen, Psychiater und ehemaliger Chefarzt der Stiftung Bethel , betonte, die Teilhabe an Arbeit und Beschäftigung sei für die Heilung wichtiger als Medizin. „Erzwungenes Nichtstun ist Quälerei.“ Die Berührungsängste zwischen Werkstätten für behinderte Menschen und der Psychiatrie seien inzwischen längst überwunden. „Der Boom in diesem Feld beweist das.“

Aus kleinen Anfängen ist der Bereich für Menschen mit psychischen Behinderungen bei den Schlosswerkstätten kontinuierlich gewachsen. Heute sind in dem Bereich 360 Beschäftigte und Teilnehmer an berufsbildenden Maßnahmen tätig. Im Bereich für Menschen mit geistigen Behinderungen beschäftigen die Schlosswerkstätten weitere 500 Menschen.

Die Caritas Wohn- und Werkstätten im Erzbistum Paderborn (CWW Paderborn) bieten in 20 Einrichtungen und Diensten der Behinderten- und Altenhilfe mehr als 3000 Menschen Begleitung und Betreuung und beschäftigen rund 2000 Mitarbeiter.

Bild oben links: Feierten mit zahlreichen Gästen die Einweihung der neuen Betriebsstätte der Schlosswerkstätten (von links): Jürgen Mathieu (Leiter der Schlosswerkstätten), Volker Odenbach (CWW-Aufsichtsratsvorsitzender), Dr. Nils Pörksen, Prof. Dr. Albert Lenz (Kath. Fachhochschule), Ralf Varchmin (Leiter Berufsbildungsbereich Schlosswerkstätten), Dagmar Lorré-Krupp (Bundesagentur für Arbeit NRW), Marlies Wiesemann (LWL) und Klaus-Heiner Kaufmann (Geschäftsführer Caritas Werkstätten).

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