ADAC testet Kreuzfahrtschiffe
München - Der ADAC hat zehn auf dem Mittelmeer eingesetzte Kreuzfahrtschiffe nach einem Test als sicher eingestuft, sieht bei der Umsetzung von Sicherheitsstandards aber auch Mängel.
Nach einer Studie waren die Schiffe in einem guten bis sehr gutem Zustand, hatten moderne Sicherheits- und Rettungseinrichtungen und "in den meisten Fällen" routinierte und professionelle Besatzungen. Der ADAC bemängelte aber unter anderem, dass in einigen Fällen wasserdichte Schotten im Normalbetrieb offen gelassen wurden.
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Ein halbes Jahr nach der Havarie der "Costa Concordia" vor Italien nahm der ADAC zehn große Kreuzfahrtschiffe neuerer Bauart in Augenschein, als diese gerade auf dem Mittelmeer unterwegs waren. Darunter waren auch die "Costa Serena" und "Costa Fascinosa" der italienischen Reederei Costa Crociere, der die "Costa Concordia" gehört. Daneben überprüften die Tester Schiffe der Anbieter AIDA Cruises, MSC Crociere, Norwegian Cruise Line und Royal Caribbean. Beim Unglück der "Costa Concordia" waren 32 Menschen gestorben, darunter zwölf Deutsche.
Die Gutachter reisten nach Angaben des ADAC zunächst eine Weile inkognito als Gäste auf den Schiffen mit und nahmen dann Kontakt zur Schiffsleitung auf, um die für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereiche und Einrichtungen zu besichtigen. In neun Fällen habe es dabei keine Probleme gegeben, lediglich der Kapitän der rund 4800 Passagiere fassenden "Costa Serena" habe auf Anweisung der Reederei nicht kooperiert, hieß es beim ADAC.
Sicherheitsprobleme sah der ADAC bei seinen Tests vor allem unterhalb der Wasserlinie. Ein schwerwiegendes Problem sei die auf einigen Schiffen gebräuchliche Praxis, auf hoher See die wasserdichten Schotten geöffnet zu lassen, um die Arbeitsabläufe auf den tiefliegenden Versorgungsdecks zu erleichtern. Dafür gab es entsprechende Ausnahmegenehmigungen der Flaggenstaaten, ein laut ADAC bekanntes Schlupfloch in den Sicherheitsregeln für die globale Schifffahrt.
Wasserdichte Schotten teilen das Schiff in Sektoren und verhindern bei einem Leck, dass sich Wasser unkontrolliert im gesamten Rumpf ausbreitet. Zwar können diese Schotts im Notfall jederzeit geschlossen werden, aber die Angewohnheit, diese im Normalbetrieb offen zu lassen, stellt dem ADAC zufolge trotzdem ein "nicht zu unterschätzendes Risiko" dar. Betroffen davon waren Kreuzfahrtschiffe der drei Reedereien MSC Crociere, Royal Caribbean und Norwegian Cruise Line.
Anlass zur Kritik gaben dem Verband zufolge auch die Notfallübungen mit den Passagieren, die auf vier Schiffen zu "oberflächlich" gehalten seien oder an denen nur ein Teil der Gäste teilgenommen habe. In einigen Fällen entdeckten die Tester demnach auch, dass Fluchtwege verstellt waren oder Rettungsflöße an Deck festgebunden waren, was in einem Notfall zu Komplikationen führen könne.
©AFP 2012
Archivfoto: Ingo Wagner











